Wie ich zur Frau Holle fand

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Wie ich zur Frau Holle fand

Lang ist’s her, dass ich euch berichtete, allerdings schreibe ich niemals auf Zwang, sondern nur, wenn ich den Drang dazu verspüre. Und nun ist es soweit! Und wer hat mich inspiriert? Keine Geringere als die Frau Holle selbst!

Naja, so ganz stimmen tut das nicht, jedenfalls nicht für unsere „Ich glaub nur, was ich seh“-Gesellschaft. Aber auf einer anderen Ebene habe ich nun das Prinzip „Frau Holle“ kennengelernt und das Märchen endlich verstanden. Hier nun mein kleines Sommermärchen:

Es war einmal eine kleine Hexesofia, die wollte raus, die Welt erkunden. Ihr Weg führte sie in die Bretagne, auf eine kleine Insel weit weit weg vom Festland, wo die Welt noch gut war. Sie überquerte also die Meere und betrat diese wundersame Insel, auf der alles so locker und leicht zu sein schien. Eine ältere, hübsche, grauhaarige Bretonin nahm sich ihrer an und führte sie auf ihren Hof. Sie bot ihr Essen, Trinken und ein kleines Gemach ganz für sich allein, wenn Sofia einwilligte, ihr auf dem Hof tagtäglich zu helfen.  Auf ihrem Hof gab es fünf Esel, vier Hühner, eine Katze und drei wunderschöne Gemüsegärten. Sofia schaute sich um und fühlte sich direkt wohl. So kam es, dass sie einwilligte und ab nun an mit der wundersamen und schönen bretonischen Frau auf dem Hof lebte.

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Die bretonische Frau trug ihr auf, morgens den Eselkot zu beseitigen und die Esel für Wanderungen mit Besuchern der Insel reisebereit zu machen. Dazu gehörte es, die Esel aus dem Park zu holen, ihre Hufe zu reinigen und das Geschirr zu befestigen. Die Kinder der Besucher durften die Esel abbürsten. Dies bereitete ihnen sehr viel Spaß. Sofia begleitete die Besucher mit dem Esel ein kleines Stück des Weges, um sie dann mit wohlwollenden Worten auf ihre Eselwanderung zu entlassen.

Auf den Hof zurückgekehrt, hörte Sofia die grünen Bohnen, die nach ihr riefen: „Finde uns in den Ranken und pflücke uns, wir können alle miteinander gekocht werden!“ Sofia tat dies und empfand jedes Mal eine großartige Freude, wenn sie die grünen Bohnen in den großen Ranken erspähte. Die grauhaarige Bretonin freute sich über die vielen Bohnen, die Sofia mitbrachte und kochte diese zum mittag. Jetzt war Zeit für eine wohlverdiente Pause, in der Sofia die Katze rufen hörte: „Streichle mich und kraule mich, ich warte schon lange darauf!“ So streichelte und kraulte Sofia die Katze, deren Fell wunderbar weich und zart war.

Irgendwann hörte man die Kinder und Besucher, die mit den Eseln von ihrer langen Wanderung erschöpft, aber erheitert zurückkehrten. Sofia machte sich daran, sie freundlich zu empfangen und die Esel wieder in ihren Park zu führen. Da hörte sie ein wenig später am frühen Abend ihren Ruf: „Füttere uns, füttere uns, wir sind alle miteinander hungrig!“ So ging sie und fütterte die Esel mit dem Heu, das für sie bereitstand.

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Die Tage vergingen und Sofia war sehr glücklich bei der bretonischen Frau. Doch irgendwann kam die Zeit, als Sofia sich nach ihrem Zuhause sehnte und so sagte sie: „Liebe bretonische Frau, es war sehr schön hier bei dir. Aber nun möchte ich nach Hause gehen zu den Meinen.“ Da antwortete die bretonische Frau: „Sofia, geh heim und komme im nächsten Sommer wieder.“ Und Sofia rief: „Ganz bestimmt!“ Sie fielen sich in die Arme und Tränen rollten über Sofias Gesicht. Sie machte sich auf den Weg und als sie daheim war, freuten sich alle und machten ein großes Fest.

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

 

Das war mein wunderschöner Urlaub in Märchenformat… Das Märchen der Frau Holle habe ich währenddessen erst richtig begriffen. Die Frau Holle war für mich vorher wie eine strenge Alte, die Forderungen stellt und ich habe nie so richtig den Zugang zu ihr gefunden, was ich blöd fand, weil sie in Wirklichkeit eine Göttin ist (dazu ein anderes Mal mehr). Aber durch die Bretonin habe ich die wahre Natur der Frau Holle kennengelernt. Sie ist nicht fordernd, sondern sanftmütig und gütig. Sie ist so geduldig und ruhig, dass man gerne Dinge für sie verrichtet.

Und mir sind die Rollen der Goldmarie und der Pechmarie jetzt klar: Beide kommen an Orten vorbei, an denen Arbeit von ihnen verlangt wird – die Äpfel, die Brote. Auch bei Frau Holle sollen beide bestimmte Arbeiten erledigen. Während Goldmarie sich den Aufgaben stellt und sie erledigt, ist die Pechmarie eher faul und lässt sich gehen. Als ich auf dem Hof war und mir das so durch den Kopf ging, hatte ich die Erleuchtung: Die Arbeit im Märchen Frau Holle steht für die Arbeit an sich selbst! Dann macht alles einen Sinn. Goldmarie nimmt die Aufgaben, die das Leben ihr stellt, ernst. Sie nimmt sie mutig an und bewältigt sie so gut es geht. Es ist zwar anstrengend, doch am Ende belohnt das Leben sie: Sie wird mit Gold überhäuft. Das Gold steht hier für das Glück und die Zufriedenheit, die man erlangt, wenn man sich konstruktiv mit sich und der Welt auseinandersetzt. Die Arbeiten spiegeln die Lebensthemen wieder, die uns alle begleiten.

Lassen wir sie jedoch liegen und überlassen wir sie ihrer selbst (d.h. geben immer den anderen die Schuld),  so wie die Pechmarie es tut, dann kommen wir im Leben nur schwer weiter. Im Märchen wird dies durch das Pech symbolisiert, welches nun an Pechmarie haftet. Lasse ich mich gehen und schiebe anderen alles in die Schuhe, werde ich auch nur Negatives anziehen. Unfassbar, was in diesem Märchen doch für Weisheiten stecken!

Ich danke meiner bretonischen Frau Holle für die Offenbarung!

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  1. Ich mag Frau Holle auch sehr und hier in der Nähe bietet eine Kräuterfrau sogar eine spirituelle Fortbildung, genannt der Hollenpfad, an. Ich komme bei meinen Kräuterführungen an keinem Holunder vorbei, ohne ihre Geschichte zu erzählen 😉

    • Hallo Claudia,
      das hört sich ja interessant an, aus welcher Ecke kommst du denn?
      Ja, auch ich habe mich in diesem Jahr sehr stark mit dem Holunder auseinandergesetzt, habe Tee gemacht und Sirup und muss immer innehalten, wenn ich einen solchen bewundern kann. Es hab schon mehrere Anzeichen und ich wundere mich nicht, dass ich schlussendlich beim Hollerprinzip angekommen bin und wahrscheinlich immer noch drinstecke 😉

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