Archiv für den Monat August 2014

Die wilde Frau

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In letzter Zeit kommen mir in meinem Leben sehr viele Hinweise auf die Thematik „Die wilde Frau“. Zunächst las ich ein tolles Gedicht dazu auf dem Blog von Womanessence dazu, kurz darauf folgte ein weiterer Artikel zu dem Thema. Ich möchte euch einen Auzug aus dem letztgenannten Artikel dazu präsentieren, der mich besonders beeindruckt hat:

„Wichtig ist, dass die wilde Frau sich traut zu sagen, was sie zu sagen hat – ob sie damit von anderen gemocht wird oder nicht. Das ist für die wilde Frau zweitrangig. Sie muss sich selbst mögen und annehmen mit dem, was zu ihr gehört. Dadurch wird sie frei – vor allem frei von den Urteilen anderer.“

Dies ist ein ganz wichtiger Punkt für mich. Ich bin oder war stets eine Frau, die sich unheimlich bemüht hat, von anderen gemocht zu werden. Ich wollte (ich schreibe in der Vergangenheitsform, weil ich mich mittlerweile schon im Abspaltungsprozess befinde), dass sie mich sympathisch finden und bei Männern wollte ich, dass ich ihnen gefalle. Warum eigentlich? Also ich weiß, dass ich es so von meinem Vater gelernt habe. Ich sollte ihm immer gefallen. Ich durfte nichts Ungewolltes, Unbequemes oder (seiner Ansicht nach) Unweibliches sagen. Ich musste mich auch immer so benehmen, wie ER es wollte. Ich sage extra nicht, dass ich mich adäquat benehmen sollte, denn damit hatte es nichts zu tun. Es ging einfach darum, dass ER mit mir leben konnte. Und wenn ich (und das tat ich sehr häufig) doch „ausufernd“ wurde, gab es heftige, aggressive Reaktionen darauf, Liebesentzug und auferlegte Isolation. Das war dann für mich eine Zeit der inneren Qualen.

Ich schließe also daraus, dass ich diese zuletzt beschriebene Situation vermeiden wollte, indem ich alles tat, was andere von mir erwarteten. Und das kommt jetzt gerade alles so langsam in mir hoch.

In meinem Freundeskreis bin ich plötzlich total sensibilisiert für diese Frauen, die immer „hintenrum“ sind. Vorher ist mir das gar nicht so aufgefallen, weil ich es teilweise ja selbst so gehandhabt habe: es den Leuten nicht von vornerum ins Gesicht zu sagen, sondern immer in einer Art chinesischer, unterwürfiger Manier zu suggerieren, wie verständnisvoll man ja ist und sie ja mit einem machen dürfen, was sie gerne möchten. Und dann dreht man sich um, trifft sich mit einer engen Freundin und kotzt sich über diese Leute aus.

Durch diese Beobachtungen habe ich jetzt bemerkt, dass frau gar nicht auf diese Leute sauer ist, sondern auf sich selbst. Sie ist gefrustet, weil sie nicht den Mumm hatte, echt zu sein und ganz ruhig und gelassen ihre Belange den Menschen gegenüber geäußert hat.

Und wie schon angedeutet, fällt es mir jetzt auch im Freundeskreis auf. Und ich entwickle immer mehr ein neues Gefühl: dass dieses Verhalten nicht normal ist, sondern falsch. Man kennt ja den Spruch „Das sind falsche Leute“ oder „Die ist total falsch“. Und das isses auch. Man belügt die anderen Menschen. Man schenkt ihnen keinen reinen Wein ein, weil man selbst zu feige ist und Schiss vor Disharmonie hat (ich schreibe das hauptsächlich so, wie ICH es empfinde – für euch kann es durchaus ganz anders sein).

Also, was ist nun eine wilde Frau? Eine wilde Frau ist in erster Linie eine freie Frau. Für mich bedeutet das ganz konkret, dass sie dazu imstande ist, Disharmonie zu erzeugen und vor allem zu ertragen – und das hauptsächlich deshalb, weil sie für sich selbst einsteht. Sie nimmt sich ernst und versteht, dass jedes Gefühl der Disharmonie von ihr selbst ausgeht, denn wenn sie sich selbst gegenüber treu gehandelt hat und ihr das WIRKLICH bewusst ist, dann sollte eher ein Gefühl der inneren Harmonie auftauchen.

Und da bin ich nun angelangt. Ich habe zum ersten Mal bewusst meinen Mund gegenüber Menschen aufgemacht und bin sofort auf Unverständnis gestoßen. Das hat mich ganz schön ins Wirbeln gebracht und das Gefühl von unerträglicher Disharmonie fuhr in meinem gesamten Körper Achterbahn und tanzte in meinem Kopf einen nicht enden wollenden Rock ’n Roll. Da musste ich durch. Nachdem ich dies erschaffen habe, war ich einen Schritt weiter und das ist genau der, der sich in Form der Gedanken dieses Artikels wiederfindet. Ich bin weiter gekommen, ich habs nicht mehr feige hintenrum gemacht, sondern bin hingegangen und habe den Leuten was gesagt, was ihnen GAR NICHT GEFIEL. Für mich ist das ein großer Schritt (so muss sich Neil Armstrong auch gefühlt haben), der mich nun dazu gebracht hat, das neue Gefühl entwickeln zu können, dass ich MIR GEGENÜBER harmonisch gehandelt habe.

Zum Abschluss möchte ich mit den Worten Luisa Francias (aus dem Werk „Hexenbesen, Zauberkraut – Die Grundlagen der Magie“) verbleiben:

„[Eine freie Frau] sagt Nein und Ja zu ihrer Zeit […]. Sie schuldet niemandem eine Lüge. Lob macht sie nicht größer, Kritik nicht kleiner, weil sie ihre Essenz erkannt hat.“ (S. 67)

In diesem Sinne wünsche ich allen wilden, freien Frauen (und solchen wie mich, die es noch werden wollen) alles Liebe!

Eure Hexesofia

Gruseliger Mann

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Ich habe vor einigen Wochen einen Mann kennengelernt. Er ist Iraner und studiert hier Informatik an der Universität. Vor zwei Jahren habe ich schon mal einen Iraner kennengelernt und das endete böse. Aber es war noch im Rahmen und er hat mich dann auch komplett in Ruhe gelassen, als ich es ihm ausdrücklich sagte. Dieses Mal ist es aber ein etwas „anderer“ Iraner gewesen: lange schwarze Haare, leichter schwarzer Bart und sehr heidnisch angehaucht. Das fand ich total interessant. Als er auch noch sagte, dass er oft an den Externsteinen ist und dort auch über mehrere Tage in den dortigen Wäldern lebt, fand ich es total interessant, dass er sich diesen Dingen hier in Deutschland zuneigt fühlt und lernte ihn langsam kennen.

Wir hatten dann eine Beziehung, die aber eher „offen“ gestaltet war – von meiner Seite hauptsächlich aus dem Grund, dass ich von anfang an keine wirklichen Gefühle für ihn entwickelte. Im Vertrauen teilte er mir mit, dass er seit Ende März kein Visum mehr habe und sich seitdem illegal in Deutschland befände. Da er illegal ist, hat er auch keinen Job und so gab ich ihm ab und an mal (ohne, dass er gefragt hatte) 5 oder 10 €, drüber ging es nicht. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass er hauptsächlich am liebsten Monologe führte, eine sehr narzistische, egozentrische und letztendlich egoistische Seite zeigte und meine Person irgendwie überhaupt nicht WIRKLICH wahrgenommen wurde. Immer mehr hatte ich auch das Gefühl, dass ich für ihn verantwortlich bin. Ich habe ihm bei mir was zu esssen gekocht, hab ihn rumgefahren etc pp…

Mit der Zeit entwickelte sich unsere Beziehung so, dass er mich jedes Mal um irgendetwas bat, wenn er mich kontaktierte. Ich konnte auch sagen, dass ich an dem Tag keine Zeit habe – er kontaktierte mich dennoch. Ich reagierte dann nicht. Ich bemerkte, dass er mich und meine Aussagen nicht wirklich wahrnahm und es als selbstverständlich empfand, auf mich „zuzugreifen“, wenn er es wollte. Also machte ich mit ihm Schluss, was er nicht so gut aufnahm. Er wurde fies und unfair und hat trotz allem noch bis zuletzt versucht, mich wie eine Weihnachtsgans auszunehmen. Das hört sich vielleicht übertrieben an, aber wenn es um ihn ging, hatte ich immer das Gefühl, dass mir gleich was abgezogen, abgesaugt wird. Er schrieb dann noch eine geschmacklose SMS, auf die ich nicht mehr reagierte und dann hatte sich die Sache eigentlich.

Ca. zwei Wochen später entdeckte ich, dass in zwei meiner Autoreifen gestochen worden ist, da diese komplett platt waren. Mein erster Gedanke war, dass er es war. Ich verständigte ADAC und Polizei, machte eine Anzeige, allerdings erwähnte ich nicht seinen Namen, da ich im moralischen Zwiespalt war. Hundertprozentig wusste ich nicht, ob er es gewesen ist und wenn ich ihn melde und sie ihn befragen wird bei seiner Datenabfrage auf jeden Fall rauskommen, dass er illegal ist. Ich traf mich also noch einmal mit ihm (in der Stadt) und klärte alles. Er entschuldigte sich bei mir für sein Verhalten mir gegenüber und sagte, dass er das mit den Reifen nicht gewesen sei. So richtig glauben tue ich ihm das aber nicht. Ich kenne sowas überhaupt nicht – Leute, die nachts irgendwann am Haus sind und vorsätzlich Reifen aufstechen. Alle anderen Autos waren unberührt. Jedenfalls sind wir dann mehr oder weniger im Guten auseinandergegangen. Abends bekam ich dann direkt wieder eine sms von ihm, wie toll er mich ja findet. Den nächsten Tag rief er mich wieder an, was ich ignorierte und ihn per sms nochmals darauf hinwies, mehr Abstand von mir zu nehmen. Er schrieb wieder etwas Unverständliches (er spricht überwiegend englisch). aber es drang schon deutlich die Quintessenz zu mir vor, dass er meine „goodness“ bräuchte und das würde nur ein paar Minuten dauern… Ich sagte einfach, ich kann nicht – was auch stimmte. Als würde ich alles stehen und liegen lassen, weil er ein paar MInuten braucht und Gott weiß was noch. Dann ließ er mich erstmal in Ruhe – das war letzte Woche Mittwoch.

Heute nacht um halb drei bimmelte mein Handy (seitdem das mit den Reifen war, schlafe ich nun leider immer mit Handy, um ggf. die Polizei rufen zu können). Ich schaute drauf und er war es. Natürlich ging ich nicht dran. Ich schrieb ihm dann heute noch einmal die Bitte, meinen Wunsch nach Abstand zu respektieren.

Und nun sitz ich hier und muss mir einmal alles von der Seele schreiben, weil ich es langsam nicht mehr aushalte. Warum geht er nicht einfach? Mein Haus habe ich schon von Anfang an mit selbst hergestellter magischer Schutzpaste „umzäunt“ (hätte ich auch mal ans Auto gedacht!), weil er mir schon relativ schnell sehr spooky erschien. Es ist einfach ein scheiß Gefühl, wenn man mit jemandem bricht und auch voll dahinter steht, und dieser jemand respektiert das einfach nicht. Ich fühle mich nicht mehr sicher zuhause, bin unruhig und habe immer das Gefühl, Gefahr schwebe in der Luft.

Ich hoffe einfach, dass er es jetzt verstanden hat und bin dankbar für die Erfahrung mit ihm, denn sie hat mich auf meinem Weg auf jeden Fall weitergebracht, aber sie ist nun auch länger präsent, als sie sollte und ich wünsche mir, dass sie nun zuende geht.