Ein Leben ohne Handy und ohne Facebook?

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Ich besitze seit dem Jahre 2000 ein Handy. Ich habe es mir geholt, weil alle es hatten und ich es toll fand, immer erreichbar zu sein und jemandem durch eine SMS etwas mitteilen zu können, ohne ihn anrufen zu müssen. Irgendwie fand ich es auch aufregend, auf eine bestimmte SMS zu warten und wenn die SMS-Melodie erklang, sprang mein Herz höher. Mittlerweile merke ich, dass es immernoch so ist. Jedes Mal, wenn der SMS-Ton erklingt, kriege ich ein kleines Glücksgefühl, egal, ob es eine wichtige SMS ist oder ich keine Ahnung habe, wer das jetzt sein könnte. Und ich merke, wie süchtig man nach Kontaktaufnahme wird. Manchmal fällt es ja schon richtig auf, dass man mal einen Tag keine SMS von niemandem bekommen hat – dann hat man direkt das Gefühl, nicht mehr dabei zu sein oder dass niemand an einen denkt, im schlimmsten Fall (je nach Stimmung), dass man keine Freunde mehr hat.
Ich überlege schon länger, mein Handy abzulegen. Aber geht das in dieser Gesellschaft überhaupt noch? Ich habe jetzt ein Pärchen kennengelernt, die mir sagten, sie hätten kein Handy und hätten auch nie eins gehabt. Wow. Fand ich toll. Als es dann aber daran ging, sich mit ihnen zu treffen, merkte ich ‚Oh, dann musst du sie ja zuhause auf dem Festnetz anrufen‘! Das stellte sich als gar nicht mal so einfach dar, denn ich kannte sie kaum und anfangs weiß man ja nie wirklich, ob die Menschen wirklich an einem interessiert sind oder nur höflich sein wollen. Ich merkte, wie ich richtige Hemmungen hatte, sie direkt anzurufen. Der Drang danach, ihnen einfach aus der Ferne eine kurze, unpersönliche und vor allem risikolose SMS zu schreiben, war sehr groß. Brachte nix. Ich rief an und sie haben sich mega gefreut und mich direkt zu sich nach Hause eingeladen, wo wir bei mehreren Gläsern Bier lustige Gespräche führten.
Meinen Vertrag habe ich jetzt zum Oktober gekündigt. Aus Facebook bin ich seit Januar auch schon raus. Bei What’s app bin ich gar nicht erst eingestiegen. Meinen Kabelanschluss habe ich auch gekündigt, denn ich habe in diesem Jahr noch kein einziges Mal Fernsehen geschaut. Und ich muss sagen, es ist mir ziemlich schwer gefallen, aus FB auszutreten – seit 2 Jahren war es schon in meinem Kopf, aber es hatte so eine Macht über mich, dass ich es nie übers Herz brachte. Dann im Januar hatte ich plötzlich das Gefühl, dass ich JETZT rausgehen kann, dass mir GRADE alle (Pseudo-)Kontakte und Fotos und Pinnwandeinträge egal sind. Also nutzte ich die Gunst der Stunde und löschte meinen Account, was gar nicht so einfach war. Ich musste erst auf Youtube eine Anleitung ansehen, alleine hätte ich es auf FB nicht gefunden. Seitdem habe ich es nie bereut, ausgetreten zu sein. Ganz im Gegenteil – meine wahren Kontakte haben sich vertieft.
Gut, dass viele kein Facebook haben, ist ja nicht ganz so selten – aber kennt ihr Leute, die kein Handy haben? Habt ihr vielleicht selbst keins? Ich wäre wirklich dankbar für ein paar Erfahrungsberichte und Meinungen zu dem Thema, weil ich, wie gesagt, mein Handy ab Oktober nicht mehr habe und ich mich frage, ob man ohne Handy überhaupt noch in der Gesellschaft überleben kann.

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  1. Ganz ohne Handy würde ich es nicht überleben. Schon aus einfachen Gründen wie das Erreichbar- Sein. Facebook hatte ich auch gelöscht. Da sehe ich auch keine Notwendigkeit drin. Wünsche dir viel Glück mit deiner Entscheidung (:

  2. Ich bin noch ganz ohne Handy und Internet groß geworden – es geht! 🙂

    Bei Facebook und Co war ich noch nie, aber mein Handy möchte ich inzwischen nicht mehr her geben. Ich habe damit allein schon ein sichereres Gefühl, wenn ich allein im Wald oder in den Bergen herum streife. Blöd, wenn man sich einen Knöchel verstaucht und kein Mensch weit und breit ist.
    Seit ein paar Jahren bin ich dabei, Leute die mir im Netz lieb geworden sind, auch mal persönlich kennen zu lernen. Auch dabei hilft ein Handy sehr, grade wenn man an einem fremden Bahnhof ankommt und man den anderen nur von einem Foto her kennt, das man per Mail ausgetauscht hat 🙂

    Großen Respekt, wenn du etwas so Gewohntes wieder los lässt. Aber bestimmt wirst du wieder viel mehr Zeit haben für andere Dinge und an denen konzentrierter dran bleiben können, ohne dauernd von einem Pling vom Handy unterbrochen zu werden.

    Viel Erfolg und Glück damit.
    Liebe Grüße
    Alruna

  3. Glückwunsch zum „Ausstieg“ :-).

    Bei mir sieht’s so aus:

    – vor vielen vielen Jahren wurde mir ein Handy „aufgezwungen“, da meine Mutter ein neues Handy wollte, aber der Vertrag beim alten noch lief – dann „musste“ ich das nehmen (ich weiß nicht, ob ich mir sonst überhaupt mal eins geholt hätte…). Nach dem Ende des Vertrages habe ich ein Prepaid-Handy bekommen. Vor ungefähr einem Jahr habe ich auf Postpay umgestellt und zahle im Durchschnitt unter einem bis (wenn’s mal wirklich viel ist, wie z. B. an Weihnachten / Silvester) 3 Euro pro Monat. Mein Uralt-Handy, mit den Funktionen Telefonieren, SMS und Wecker 🙂 benutze ich nur sehr wenig. Ab und zu mal eine SMS schreiben oder wenn ich unterwegs bin mal kurz telefonieren, um etwas zu klären (z. B. Treffpunkt oder ob noch was eingekauft werden soll…). Sonst ist es oft aus. Wenn ich alleine unterwegs bin, finde ich das Handy eine gute Sache (… was, wenn das Auto liegen bleibt etc…), aber ansonsten könnte ich mir auch vorstellen, ohne Handy zu leben.

    – bei Facebook bin ich nicht, war ich noch nie – finde ich Zeitverschwendung – in der Zeit kann ich viel schönere Dinge tun, wie spazieren gehen, lesen, live mit Freunden treffen und einfach die Welt in der Realität genießen 🙂

    – das Gleiche (in der Zeit kann man so viel schöneres und sinnvolleres machen) trifft auch beim Fernsehen zu. Früher habe ich viel geschaut, mittlerweile nur noch 6 – 7x im Jahr: „Schlag den Raab“ und „Autoball-WM / -EM“ muss schon noch sein ;-).

    Ich drück dir die Daumen, dass du den Entzug ohne Entzugserscheinungen erlebst 🙂

  4. Ich hatte lange Zeit ein Prepaid-Handy, bis mir dann ein Smartphone mit Vertrag aufgenötigt wurde (wie bei meiner Vor-Schreiberin). Ich nutze die meisten Funktionen nicht und finde es daher reinste Verschwendung. Und da meine Familie irgendwie meint ich bin tot wenn ich nicht nach fünf Minuten auf eine SMS antworte, habe ich es behalten. Ich frag mich ja wie sie diese Ungewissheit früher ausgehalten haben.

    Mit FB bin ich in einen steten Kampf. Ich hasse es und ich war auch schon längere Phasen abstinent. Allerdings habe ich gemerkt, dass ich es für die Koordination meiner spirituellen Gruppe brauche. Die Leute sind so foren-faul geworden und es ist umständlich, sie aus der ganzen Welt zusammen zu halten, wenn man nicht auf FB ist.
    Auch habe ich während meiner Abstinenz gemerkt, wie wenig sich manche meiner „Freunde“ in Wahrheit um mich geschärt haben. Vielen ist nicht mal aufgefallen dass ich weg war oder sie haben nicht versucht den Kontakt anderweitig aufrecht zu halten. Das war sehr ernüchternd und verletzend. Jetzt bin ich dort nur noch wegen der Gruppe.

    Einen Fernseher habe ich seit 12 Jahren nicht mehr. Komm ich prima ohne aus.

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