Archiv für den Monat März 2014

Emanzipation aus evolutionärer Sicht

Standard

Was ist eigentlich „wahre Emanzipation“? Payoli macht einen Vorschlag:

payoli

Frauen- power Frauen- Emanzipation ist Teil unseres derzeitigen Lebens.
Notwendig bis überflüssig. – Je nach Sichtweise.
Dass Frauen für gleiche Arbeit ‚gleiches’ Geld bekommen müssen ist klar. Dass Schluss mit Ausbeutung, Ungleichheit oder gar Unterdrückung mehr als sein muss, noch klarer. – In allen Bereichen!

Doch ist es für Frauen generell vorteilhaft, alles gleichberechtigt können und machen zu dürfen oder gar zu müssen?
Dass Frauen so ziemlich alles können, was das Leben erfordert, haben sie in zahllosen Situationen schon bewiesen und sollte niemand bezweifeln. Sie waren es, die in allen Kriegszeiten zum Beispiel das Leben am Laufen hielten.

Aber so wirklich gut finde ich es, unabhängig vom Gender- Thema, dennoch nicht, wenn alle alles können und alles tun.
Denn, stell Dir vor, jeder Zulu und Inuit könnte Schuh platteln und jeder Franzose und Norweger perfekte Makis rollen. Wohin könnten wir dann fahren oder wandern um uns von fremden Kulturen überraschen und beschenken…

Ursprünglichen Post anzeigen 610 weitere Wörter

Advertisements

Verrückt

Standard

Es gibt eine bei uns in der Stadt, die gilt als verrückt. Sie trägt ständig irgendwelche Müllsäcke mit sich rum, sieht aus wie ’ne Vogelscheuche und schreit und motzt die ganze Zeit Leute an, aber ohne körperlich übergriffig zu werden. Sie steht einfach nur da und motzt sie an. Jeder hat sie schon an allen möglichen Stellen getroffen und jedes Mal ist es ein Highlight für die Leute: alle lachen sich kaputt, während sie da steht und meckert, alle gucken hin, bleiben stehen, lachen sich schrott und denken kopfschüttelnd: „Die hat se doch nicht mehr alle aufm Zaun, die Alte!“ und unbewusst: „Gut, dass ich normal bin.“

In meinem Freundeskreis haben sie sich auch schon über sie lustig gemacht. Aber ich finde sie nicht lustig. Ich habe nicht einmal das Gefühl, dass sie verrückt ist. Ist das verrückt? Der Begriff prägt mich schon mein Leben lang. Immer schon bin ich die „Verrückte“. Meine Verwandten sagen das, sowohl die von meiner Mutter als auch die von meinem Vater, meine Freunde und einfach alle, die mich kennen. Sie meinen dann zwar ein anderes „verrückt“, aber das Wort bleibt das gleiche. Ich habe das Gefühl, dass mich irgendetwas mit dieser Frau verbindet – ständig kommt in mir die Frage hoch, wenn ich sie sehe: „Wann hatte sie keine Lust mehr, mitzumachen?“

Denn wenn man’s genau nimmt, machen wir ja alle nur mit und kommen so zu dem Vorteil „normal“ zu sein. Und alle, die sich nicht so benehmen, werden ausgelacht und fliegen raus. Die verrückte Frau ist ein extremes Beispiel, aber was ist mit Leuten, die mit sich selbst sprechen? Und wer von uns tut das nicht? Ich spreche ständig mit mir selbst und wißt ihr auch, warum? Weil ich mich den ganzen Tag mit allen möglichen Leuten unterhalte. Irgendwann muss ich doch auch mal zu mir selbst sprechen. Ich finde das ist ein Akt der Aufmerksamkeit für sich selbst. Warum sollte man eigentlich nicht mit sich selbst sprechen? Weil alle anderen es auch nicht tun. Und doch glaube ich, dass es sehr viele tun – sie tun es nur nicht in der Öffentlichkeit. Wie wäre es denn mit „in der Öffentlichkeit singen“? Traut sich das einer? Seltenst. Dabei ist gar nichts verrücktes dran. Singen ist ja eigentlich völlig legitim, aber macht das einer? Nö.

Wir sind alles super angepasste Schäfchen und möchten nicht weiter auffallen und schon gar nicht als „verrückt“ gelten. Aber was ist eigentlich verrückt? Wenn man das Buch „Veronika beschließt zu sterben“ von Paulo Coelho liest, bekommt man eine Ahnung von den Zusammenhängen: Alles, was die Mehrheit tut, gilt als normal. Alles, was dem widerspricht, gilt als verrückt oder nicht normal. Das bedeutet im Klartext: normal ist schonmal, wer arbeiten geht. Verrückt ist, wer mit Müllsäcken auf der Straße steht und Leute anschnauzt. So, die Frage ist nun: Was wäre, wenn alle mit Müllsäcken auf der Straße stehen und meckern würden und ein einziger jeden Tag arbeiten geht? Wer wäre dann verrückt?

Verrücktheit bedeutet in den vielen verschiedenen Kultursystemen auch immer etwas anderes. Es gibt sicherlich viele Länder, in denen Singen auf der Straße „normal“ ist und wo sich niemand etwas dabei denkt. Auch magisches Arbeiten ist in vielen Ländern noch völlig normal und gehört zum Kulturkreis dazu. Und der Grad der Akzeptanz weicht auch wieder von Kultur zu Kultur ab. Wenn wir beim Beispiel Magie bleiben, gibt es Länder, in denen das in irgendeiner Form komplett integriert ist. In Island beispielsweise gibt es die sogenannten „Elfengesetze“, die vom Staat festgelegt wurden. Dabei geht es um magische Plätze, den Wohnorten der Elfen, die geschützt werden sollen von den isländischen Bürgern, d.h. dass man sie nicht betreten darf, weil es der heilige Schutzraum der Elfen ist. Island muss verrückt sein!

Der Grad der Akzeptanz ist in jedem Land anders, wie gesagt. Aber die meckernde müllsacktragende Frau würde wohl überall schief angeguckt werden. Da sind sich alle einig. Aber warum gilt sie als verrückt? Im Grunde genommen steht sie auf der Straße, ist das verrückt? Sie trägt Müllsäcke, ist das verrückt? Sie meckert die ganze Zeit und beschimpft Leute? Ist das verrückt? Manche von uns „Normalen“ fangen auch an, Leute zu beschimpfen, wenn sie Alkohol getrunken haben. Und das Sprichwort „Kinder und Betrunkene sagen immer die Wahrheit“ hat da auch seine Berechtigung. Wenn Leute trinken, kommt jenes Verhalten zum Vorschein, das sie sich im „normalen“ Leben nicht erlauben. Diese Kontrolle, die man im nüchternen Zustand hat, fällt bei Alkoholgenuss weg. Und dieser Mechanismus zu funktionieren ist so stark und ein Leben lang geprägt worden, dass diese Mauer oft nur durch Alkoholeinfluss fallen kann. Das ist bei mir ja auch so, ich schließe mich da keinesfalls von aus oder denke, dass ich von dieser Regel ausgenommen bin. Bin ich nüchtern, dann bin ich sehr kontrolliert bis teilweise sogar schüchtern, vor allem, wenn es um Männer geht, für die ich was empfinde. Ich bin dann viel gehemmter und rede eher viel drum rum und mein Körper zittert, mein Herz pocht. Bin ich betrunken und sehe den gleichen Mann wieder, fällt es mir plötzlich leicht, mich ganz locker mit ihm zu unterhalten und ihm eindeutige Signale zu geben oder sogar mit ihm über meine Gefühle zu sprechen. Mein Körper ist auch ganz locker. Mmmh, das ist echt interessant, dass mein Artikel über Verrücktheit mich jetzt zu Betrunkenen gebracht hat – also irgendwie besteht da ein Zusammenhang 😉 Anscheinend für mich jedenfalls…

Ich habe eigentlich mein Leben lang versucht, nicht mehr die Verrückte zu sein und mich der Gesellschaft, meinem Umfeld anzupassen. Bis jetzt vor Kurzem. Da merkte ich plötzlich, dass das evtl. Unsinn sein könnte. Da merkte ich plötzlich, dass ich evtl. anders als alle anderen bin und dass vielleicht gerade das die wahre  Grundessenz meines Leben sein könnte: Nicht zu versuchen, mich zu verbiegen und anzupassen, sondern in Wahrheit meine Andersheit zu leben, also von der Anpassung hin zur Selbstverwirklichung, egal, ob wie die Gesellschaft das sehen mag. Zu mir zu stehen. Zu sagen: „Ok, ich bin anders und ihr findet mich vielleicht alle etwas verrückt, aber vielleicht bin ich ja auch die einzig Normale hier und ihr seid alle verrückt.“