Archiv für den Monat Februar 2014

Männer

Standard

Anstoß für diese Gedanken ist ein Artikel von Holunderhexe, die auf einen Artikel in der Welt aufmerksam macht, in dem es über eine Frau geht, die über sich selbst sagt, Wicca-Hexe zu sein. Das eigentlich Entsetzliche sind in diesem Kontext die männlichen Leserkommentare, die mich in ein tiefes Loch gestürzt haben.

Ich als Single-Frau würde mich sehr über einen Freund freuen, über einen Mann, der mich so akzeptiert, wie ich bin – aber das ist in dieser Welt anscheinend sehr viel verlangt. Wo ist der Mann, dem ich ohne Scheu sagen kann „Ich bin eine Hexe“ oder „Ich feiere die Elemente, den Mond und die Sonne“ ? Meine Erfahrungen, was das anbelangt, sind katastrophal. Ja, es sind katastrophale Zustände. Ich komme ja nicht einmal bis dahin! Es hört ja schon auf bei der Frage: „Was ist dein Sternzeichen?“ Das ist für die Mehrheit der Männer schon zuviel. Da habe ich unter anderem verbal-aggressive Reaktionen bekommen wie „Glaubst du an so ’n Scheiß oder was?“ in einem ganz abwertenden Ton. Von Mondphasen ganz zu schweigen, bitte nur nach genaurer Begutachtung des Männchens ausprobieren… Und dann ist es mir oft so ergangen, dass man als Frau belächelt wird vom Mann, er schaut richtig auf einen herab, so nach dem Motto: „Ach guck mal, die dumme kleine Frau – versteht die Welt überhaupt nicht.“ Das macht mich dann so wütend, dass dieses protzige, männliche Dominanzgehabe zum Vorschein tritt. Diese Überheblichkeit, die daraus resultiert, dass nämlich der Mann eigentlich derjenige ist, der die Welt nicht versteht, denn wenn er sie verstehen würde, dann hätte er doch zumindest verstanden, dass Welt von „Vielfalt“ und „Individualismus“ geprägt ist. Jeder Mensch hat das Bedürfnis, sich selbst in seiner Art und Weise zu leben und zu spüren und das kann viele Gesichter haben.

Ich habe keine Lust mehr, mit Männern „kämpfen“ zu müssen. Ich habe keine Lust mehr, mit Männern um MEINE Weiblichkeit kämpfen zu müssen, meine Weiblichkeit ihnen gegenüber rechtfertigen zu müssen, denn erstens bedarf es hierfür keiner Rechtfertigung und zweitens ist es die Mühe nicht wert. Ich soll mich doch sowieso in sein Frauenbild einfügen, das immer auch sehr nahe am Frauenbild der Gesellschaft liegt. Ich soll es doch endlich verstehen, dass das alles Quatsch ist, dass das verrückt ist, dass das nichts mit der Realität zu tun hat. Dazu kann ich nur sagen, dass jeder Mensch seine ganz eigene Realität hat. Hat man auch den Mut, diese zu leben? Alles, was die Mehrheit tut, ist normal. Weicht man davon ab, zum Beispiel durch lautes Singen an der Bushaltestelle (was ich niemals wagen würde!), gilt man als verrückt oder zumindest irgendwie „komisch“. Die Frauen gucken doch schon komisch, wenn man als mehr oder weniger junge Frau irgendwo im Wartezimmer das Stricken anfängt. Da hat keiner was dabei. Entweder man sitzt da oder man liest Zeitung. Das machen alle so und basta.

Ich habe die Schnauze gestrichen voll-ich mache keine Kompromisse mehr, wie die meisten Frauen, die dann Gott sei Dank doch noch irgendwann eingesehen haben, dass es das höchste Gut ist, einen Mann zu haben und wenn man irgendwie keinen Geeigneten findet und das Alter voranschreitet, muss man dann halt Kompromisse machen. Irgendwie wird aus Angst, diese gesellschaftliche Forderung nach dem „Mutter-Vater-Kind im Reihenhaus“-Prinzip nicht mehr erfüllen zu können, dann der Nächstbeste genommen, mit dem es halbwegs funktioniert. Nun gut, frau hat jetzt nicht das gefunden, was sie sich gewünscht hat, aber das Leben ist ja auch kein Wunschkonzert nicht wahr. Er ist doch nett – ok, ich fühle mich oft unverstanden und nicht wahrgenommen, aber ich werde es schaffen – ICH kann ihn ändern. Und wenn frau an diesem Punkt angelangt, beginnt das eigentliche Desaster.

Um wieder auf das Thema der rationalen Männer zu kommen, möchte ich von meinem Arbeitskollegen berichten: er ist schon älter, ich glaube, er geht auch bald in Rente, hat sich aber eigentlich ganz gut gehalten und wirkt keineswegs irgendwie „greisig“ oder so. Er ist ein absoluter Verfechter der Naturwissenschaften und weist also Dinge, die ich mache, entschieden ab. Zwar habe ich ihm keine Details erzählt, aber er weiß schon, in welche Richtung es bei mir geht und dass das total entgegengesetzt seiner Überzeugungen ist. Das Witzige dabei ist, dass er ständig meine Nähe sucht, sich anscheinend saugerne mit mir unterhält und immer einen sehr verwunderten, aber auch irgendwie fasznierten Gesichtsausdruck bekommt, wenn ich Kommentare abliefere, die aus einer anderen Welt zu sein scheinen. Bitte nicht falsch verstehen – er findet das irgendwie anziehend, aber mit irgendeiner Wahrheit hat das für ihn nichts zu tun. Und das finde ich immer so verwunderlich – er spürt diese Sehnsucht dahin, aber tut das ab. VERSTEHT das nicht, gibt dem keine wichtige Bedeutung. Und die Sehnsucht scheint sehr groß zu sein: Auf der Arbeitsstelle sucht er ständig Kontakt zu mir, auf Betriebsfeiern drängt er sich unter Alkoholeinfluss regelrecht auf (setzt sich ständig zu mir, will immer mit mir reden, geht auch mit rauchen, obwohl er gar nicht raucht) und im Sommer hat er mich sogar in den Frankreichurlaub mit seiner Frau und seiner Tochter eingeladen, was ich höflich abgelehnt habe. Dieser Urlaub wäre ein Kampf geworden für mich. Ich soll stellvertretend für seine verdrängte Sehnsucht stehen, die irgendwie da sein soll, die er aber nicht akzeptiert und die es durch logisch-rationale Argumente zu bekämpfen gilt – sie soll doch endlich zur Einsicht gezwungen werden!

Und genau das isses auch. Männer kämpfen gegen sich selbst, gegen die in ihren Schatten gedrängten Gefühle, die sich mit Logik und Rationalität leider nicht vereinbaren lassen. Das ist auch echt blöd irgendwie. Wie gut, dass es diese dummen Frauen gibt, dann kann Mann sich gleich besser fühlen, denn er ist bestimmt nicht so doof, so etwas Unsicherem wie „Intuition“ zu folgen – wo ist die denn überhaupt und gibt es da mittlerweile eigentlich wissenschaftlich belegte Befunde drüber? Nein? Ja, dann ist das ja nix weiter als Hokuspokus, da falle ich bestimmt nicht drauf rein – ich steh doch am Ende nicht als Doofie da!

Ja, liebe Frauen, das können wir den Männern nun wirklich nicht antun. Bitte seid rücksichtsvoll und mutet ihm nicht zuviel zu – wofür habt ihr denn Freundinnen?

Was ziehe ich als alleinstehende Frau aus diesem „Männerdilemma“? Ich meine, ich möchte Männer lieben, aber wie soll ich Männer lieben, die mich nicht sein lassen, wie ich bin? Da gibt es doch das schöne Sprichwort, die „Spreu vom Weizen zu trennen“ und seine Energie nicht an verkappte Männer zu verschwenden, sondern diese lieber für Dinge aufzubewahren, für die es sich lohnt und vielleicht kommt da ja mal ein „anderer Mann“. In diesem Kontext muss ich auch an die Taubensituation in „Aschenputtel“ denken: „Die guten ins Töpfchen, die schlechten in Kröpfchen.“ Vielleicht muss man als Frau auch mal so eiskalt sein.