Essen

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Essen ist wichtig. Und je älter ich werde, desto wichtiger wird es für mich. Und ich empfinde große Dankbarkeit, dass meine Eltern mir ein gesundes Essverhalten beigebracht haben: morgens zusammen frühstücken, mittags zusammen warm essen und abends eine Brotzeit. Wir hatten auch unsere familiären Probleme, aber das Essen blieb von alldem unberührt und das war gut, denn wenn ich sehe, wie viele Mädchen heutzutage Essstörungen haben und damit meine ich ja nicht einmal Bulimie oder Magersucht.

Ich habe zum Beispiel eine Bekannte, bei der ich mich immer wundere, wie das jetzt geht. Einmal haben wir uns einen leckeren Salat gegönnt und sie wollte Kuchen dazu essen. Für mich wäre der Kuchen danach gekommen, was ich ihr auch sagte und zum Glück hat sie ihn nicht zeitgleich gegessen. Ich weiß nicht, ob ich das ausgehalten hätte. Ich habe, was Essen anbelangt, eine genaue Vorstellung von dem, was geht und was nicht geht. Und ich glaube auch, dass ich ein sehr gesundes Essverhalten habe. ICH WEIß, dass ich momentan zu wenig esse, zu unausgewogen, weil ich mich in einer schwierigen Phase befinde (aber da komme ich jetzt bald raus, das habe ich mir schon fest vorgenommen!), aber ICH WEIß ES und möchte das ändern. Aber ich bin weit davon entfernt, Kuchen zu Salat zu essen.

Besagte Bekannte trinkt auch früh am Morgen schon RedBull in Zeiten von Überanstrengung. Es wirkt nicht, sagt sie selber auch, aber sie trinkt es trotzdem immer wieder. Ich finde das Zeug einfach nur abartig und widerlich, riecht schon nach purer Chemie und dann direkt am Morgen… aber das muss jeder selber wissen.

Wie gesagt, eine Essstörung heißt nicht immer gleich Bulimie oder Magersucht. Meine Freundin sagt übrigens selber über sich, dass sie eine Essstörung hat. Es zeigt sich auch darin, dass sie manchmal komisch wird… Wir sind in der Sauna und möchten einen Kaffee trinken – ich bestelle mir einen Latte Macchiato und sie bestellt sich plötzlich einen Espresso (trinkt sie sonst NIE) und so ’ne Art Molkedrink und ich wundere mich, warum sie etwas bestellt, was sie sonst nie trinkt und dann auch noch in dieser seltsamen Kombination. Als ich mit ihr rede, rückt sie irgendwann mit der Sprache raus: Sie konnte sich keinen Latte Macchiato bestellen wegen – und jetzt kommt’s – der Milch! Die macht dick. Deswegen hat sie einen Espresso bestellt und eine Molke, um die Milch zu kompensieren mit dem Ergebnis, dass es ihr nicht schmeckt. Ich finde es total traurig, dass manche Frauen sich nicht einfach ausgelassen einen Kaffee bestellen können, das ist echt schrecklich, denn das ist ja nicht einmal eine richtige Mahlzeit.

Man muss dazu sagen, dass sie sich den Abend vorher noch mit einer Tüte Chips vergnügt hat und den nächsten Tag aber keine Milch zu sich nehmen darf. Das ist auch dewegen schade, weil es das lockere, freundschaftlich ausgelassene Zusammensein irgendwie beeinträchtigt.

Noch ein letztes Beispiel: Meine Freundin ruft mich an, ob wir uns um 7 treffen wollen. Es ist drei Uhr. Ich sage klar und schlage ihr vor, gemeinsam zu Abend zu essen. Nee, das ginge nicht. Warum nicht? frage ich. Sie begründet das damit, dass sie gerade in der Schule schon ein Brötchen gegessen habe. Ich sage ihr, dass ein Brötchen sehr wenig ist und bis sieben Uhr viel Zeit vergeht und sie dann wieder Hunger haben wird – nein, sie hätte dann keinen Hunger, das Brötchen reicht ihr. Ich rege mich auf, aber da ist nichts zu machen. Um sieben steht sie vor der Tür und hat was Fertiges zu essen dabei. Ich habe jetzt schon gegessen und könnte sie umbringen.

Wie gesagt, so benimmt sie sich nicht die ganze Zeit, aber zwischendurch hat sie wie so „Ticks“ hab ich das Gefühl. Wir können die meiste Zeit gut und gerne zusammen essen und sie ist auch ein richtiger Feinschmecker – aber dann manchmal zwischendurch ist sie bekloppt.

Ich muss nicht erwähnen, dass meine Freundin wunderschön und schlank ist, aber natürlich denkt sie, sie wäre zu dick. Ich verstehe das nicht und das macht mich taurig. Ich beneide sie so um ihre schöne Wespentaille und ihrem wundervollen, runden Hintern – sie ist so eine Sexbombe und SIEHT ES NICHT. Man, muss das ein scheiß Los sein, wenn man so aussieht und es nicht merkt.

Naja, jedenfalls gibt es mehrere Gründe für komisches Essverhalten. In manchen Familien gibt es keine richtige Esskultur und das ist in Deutschland sehr häufig der Fall. Unsere Nachbarskinder früher haben immer Kelloggs Smacks gegessen. Es wurde nicht für sie gekocht, gemeinsames Essen kannten die gar nicht. Das höchste der Gefühle waren Nudeln – da wurde dann Zucker oder Ketchup drüber gemacht und gut is. Und jeder isst da, wo er will.

Wenn man Jugendliche heute nach deutschem Essen fragt, antworten die doch tatsächlich mit Döner oder Spaghetti… Ich weiß nicht, was los ist. Ich weiß nur, dass Ernährung fast das Wichtigste im Leben ist und ausschlaggebend für Unbehagen oder Wohlbefinden.

Und deshalb wünsche ich euch von ganzen Herzen ein tolles Essgefühl und dass ihr den Kuchen bitte NACH dem Salat esst, damit ich besser schlafen kann 😉

Alles Liebe, Sofia

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  1. Dein Beitrag gefällt mir. Essen ist ja auch eines „meiner Themen“ mit denen ich mich gerne befasse und von denen ich denke, dass es sehr wichtig ist. Weil… Essen macht Spaß! Und Essen ist etwas wirklich Gundlegendes.

    Ich muss zugeben, es gibt Zeiten, da esse ich auch Pizza zum Frühstück und einen Energydrink dazu. Aber das passiert sehr selten und hängt dann meist mit einer durgemachten Nacht zusammen. Und manchmal, wenn ich sehr konzentriert an etwas arbeite, vergesse ich es einfach zu essen bzw. bin zu faul dazu (was ich später mit ner Heißhungerattacke wieder kompensiere). Ich glaube aber, dieses Verhalten ist noch im Rahmen, denn es ist nichts das dauernd passiert.

    Meine Eltern haben mir eine gesunde Skepsis vor Diäten und Trends mitgegeben und nur selten Fertigprodukte verwendet. Ich habe das dann für mich sogar noch strenger weiter geführt, indem ich eigentlich komplett drauf verzichte. Manchmal habe ich Phasen in denen ich versuche vegan zu leben (was mir nicht gelingt weil ich Käse zu sehr liebe).

    Na ja und wenn ich irgendwie abnehmen will, dann versuche ich das sicher nicht mit so komischen Methoden wie auf die Milch im Kaffee zu verzichten… ich meine… auf diese zehn Kalorien kommt’s dann nicht wirklich an, ne… da sollte man lieber seinen Speiseplan komplett umstellen und sich überlegen was man die Woche über so essen möchte… und dann bewusst Rezepte wählen die geeignet sind.

    Ich kenne viele Menschen mit seltsamem Essverhalten. Die ernähren sich dann Tagelang nur von Nutella oder so O_O

    Grüßle
    Solvey

    • Jap, so isses.. Ich ernähre mich nach einer durchgemachten Nacht auch sehr komisch und wenn ich mit etwas beschäftigt bin, dann vergesse ich auch zu essen oder ich habe einfach keine lust, mir etwas zu kochen… ja genau, und dann kommt die Attacke und dann fahre ich schnell zum McDo (ist leider direkt bei mir um die Ecke) und nutze den McDrive… aber das kommt vielleicht 1-2 mal im Monat vor… Ja, Frauen haben ein ganz eigenes Verhältnis zum Essen und das meint nicht Essstörung… das wäre aber vielleicht sogar doch einen neuen Artikel wert 😉 Mal sehen…

  2. Zunächst mal hallo, schön dass Du wieder da bist! 🙂
    Ich muss gestehen dass ich ja sehr gerne esse, auch trinke und überhaupt genieße.
    Natürlich ist das ein Probelm geworden, da ich ja schon 18kg durch meine Krankheit bzw. die Medikamente zugenommen habe. ABER ich lebe ja trottzdem gerne und will nicht ständig zu mir selber Nein sagen müssen. Krieg ich auch gar nicht hin 😉 Dann werde ich unzufrieden, knötterig – und stopfe mich womöglich erst recht voll. Ich esse auch von zu Hause aus so wie Du: Morgens Brötchen oder Brot, womöglich Eier dazu. Mittags was Warmes und Abends belegte Brote / Salat, sowas halt. Zwischendurch allerdings erliege ich ständig Schoki 😀 Nu ja, so ist das halt.
    Ich glaube Menschen sollten viel mehr auf ihren Appetit hören, darauf, was ihr Körper gerade haben möchte. Das kommt nämlich häufig gar nicht von ungefähr.
    Jedenfalls maltretiere ich mich nicht mehr. Schade ist dass ich viele gesunde Dinge auf Grund der Darmkrankheit nur noch sehr schlecht vertrage, wie z.B. grüne Salate, Blumenkohl, Zwiebeln, Mais, Bohnen usw. Aber da machst Du nix. Also gönne ich mir diese Dinge in Maßen und muss ansonsten gucken was geht. Heute gab´s Pommes, weil wir unterwegs waren ;-P
    In diesem Sinne: Guten Appetit! 🙂

    • Athena ich freu mich auch 😉
      Finde ich auch, gerade wenn man eine Krankheit hat, sollte man sich dann auch nicht zusätzlich unter Druck setzen! Obwohl es schon schade ist wegen der gesunden Sachen, die du gerne isst, aber nicht darfst. Aber da gibt es sicherlich Ersatz oder? Knoblauch anstatt Zwiebeln geht? Sorry wenn ich so frage, aber kenne mich da nicht so aus…
      Ich habe oben schon erwähnt, dass Frauen ein ganz spezielles Verhältnis zum Essen haben, was bei Männern eigentlich nicht so zu beobachten ist… Das wäre mal interessant, drüber zu lesen und einen eigenen Artikel für diese Thematik zu schreiben…
      Ich hoffe die Pommes waren knackig genung 😉

      • Stimmt, das wäre auch ein interessantes Thema, bin gespannt und freue mich wenn Du es aufgreifen solltest.
        Mit Knofi ist das auch so eine Sache…. Da man ihn geringer dosiert als Zwiebeln, vertrage ich ihn etwas besser. Aber im Grunde genommen ist es ähnlich. Alles was roh ist, schwer verdaulich (auch Körner und Reis beispielsweise), Industriezucke und vor allem sämtliche Lebensmittel die „blähen“ (wie man das medizinisch so sagt, wenn sie Gase bilden beim Verdauungsprozess) – das hat jetzt nichts mit unangenehmen Lüftchen zu tun 😀
        Auch Kaffee, Alkohol und Schokolade sind Dinge, die ich mir eigentlich klemmen sollte. Ich achte zwar drauf, aber komplett auf Käffchen und Schoki kann ich einfach nicht verzichten. Geht gar nicht…

  3. In meinem Elternhaus gab es geregelte Mahlzeiten und eine gute Köchin – meine Mum. Trotzdem leide ich unter einer Essstörung (auch nicht Bulimie oder Magersucht, harmloser, aber eben eine Störung). Das Problem dabei ist, dass die eigentliche Störung nichts mit dem Essen zu tun hat. Man instrumentalisiert das Essen. Eine andere Störung wird ins Essverhalten kanalisiert. In Wirklichkeit haben Essstörungen nichts mit dem Essen selbst zu tun. Du kannst deiner Freundin hundert mal sagen, wie schön sie ist, wie perfekt ihre Figur ist – solange sie nicht anfängt, sich selbst im Spiegel zu sehen, prallen alle Worte an ihr ab. Und dann wird weiterhin der Kuchen zum Salat gegessen, RedBull zum Frühstück getrunken und, und, und.

    • Hallo du!
      Danke für deinen Beitrag… und du hast recht. Eine Essstörung hat nichts mit dem Essen an sich zu tun, man projiziert nur etwas anderes darauf. Ich habe auch gelesen, dass Essen symbolisch viel mit Liebe und Gefühlen zu tun hat („Liebe geht durch den Magen“) und auf der Ebene oft etwas im Unreinen ist.

      • Ich persönlich glaube auch, dass es viel mit Liebe und Gefühlen zu tun hat. Das Erste, was den meisten bei einer Essstörung einfällt, ist Kontrolle. Gefühle und Liebe kann man nicht kontrollieren. Wenn dann Ausmaße in diesem Bereich kommen, die schmerzen, versucht man vielleicht, anders zu kontrollieren, um irgendwie irgendwas zu kompensieren.

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