Freier Wille oder Vorherbestimmung?

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Freier Wille oder Vorherbestimmung?

Ich schreibe einen Artikel aufgrund von einer heißen Diskussion, die grad bei Athena stattfindet. Es geht um die sogenannten „erleuchteten“ Esoleute, die meinen, man wäre Teil Gottes‘ Plans und müsste nichts tun und dann würde man glücklich. Wer die Details lesen möchte, schaue bitte bei Athena nach 😉

Hier möchte ich euch beschreiben, wie es sich für mich anfühlt:
Ich denke, es gibt ein grundlegendes Missverständnis zwischen beiden Seiten – klar gibt es Leute, die meinen, sie bräuchten nix tun und Gott wird alles richten. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Nichtstun und Offen sein für Neues.
Das Leben besteht halt nicht nur aus dem männlichen Prinzip, man muss nicht immer was TUN. Man sollte auch das weibliche Prinzip zum Ausdruck kommen lassen und sich bereit machen, etwas zu empfangen wie bei einem Wunsch. Das bedeutet aber nicht, NUR das eine ODER das andere zu tun. Man tut beides. Das weibliche Prinzip wird nur von vielen vergessen und ignoriert.
Und vielleicht sollte man sich auch fragen, inwiefern man „frei“ in der Gesellschaft ist – wie viele Menschen haben ihren Job gewählt, weil es von irgendjemandem im Außen propagiert wurde? Fast alle würd ich sagen. Also man muss wirklich hingucken, wo genau man seine Verantwortung hingibt. Gebe ich Verantwortung ab, wenn ich daran glaube, dass mir etwas gegeben wird, wenn ich mich bereit dafür zeige? Oder gebe ich Verantwortung ab, wenn ich einfach das tue, was alle anderen auch tun? Also da nehme ich lieber die erste Variante ohne zu behaupten, dass die Gesellschaft mich nicht im Griff hätte. Aber auch ich befinde mich auf meinem Weg und ich möchte mehr zu mir.
Natürlich „muss“ man aktiv werden und arbeiten gehen, wenn man überleben will. Aber wenn man zuviel arbeitet, wenn es „zuviel“ wird, dann ist es so, dann kommt eine bestimmte Energie, die sagt „Burn out“ und das ist auch gut so. Es kann nicht immer so weiter gehen, wenn etwas zuviel ist, dann MUSS von irgendwo ein Stopp! kommen und diese Energie gleicht wieder aus. Derjenige Mensch hätte sich evtl. zu Tode gearbeitet, wenn kein natürliches Stopp von außen gekommen wäre. Der Mensch würde auch ewig weiter in der Sonne liegen, wenn nicht irgendwann die Energie des Herbstes kommen würde. Es gibt einfach Dinge, die kommen, ohne dass man aktiv werden muss.
Und ich denke auch nicht, dass der Sinn dieser Predigten darin liegt, zu sagen: „Gott hat gewollt, dass ich mein Leben lang auf der Couch sitze“. Ich finde das nicht fair, Birnen mit Äpfeln zu vergleichen. Leute, die ihr Leben lang auf der Couch abhängen sind höchst unbewusste Menschen und selbst für ihr Tun oder eher Nichtstun verantwortlich. Und es kann im übrigen auch nicht nur Menschen geben, die im Sinne der Gesellschaft und gesellschaftlichen Akzeptanz jeden Morgen aufstehen und für ihr Geld arbeiten gehen. Das sollte man wirklich mal realisieren: das ist nicht unser Wille, das ist der Wille der Gesellschaft. Jeden Morgen aufzustehen und acht Stunden zur Arbeit zu gehen IST KEINE SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT. Es kann durchaus „gut“ sein, aber es ist nicht selbstverständlich. Selbstverständlich ist, dass wir essen, trinken, lachen und kacken. Aber das alles könnte ich auch in der Autarkie.
Das ist es ja – natürlich bin ich für mein Tun und Nichtstun selbst verantwortlich – aber ich bin trotzdem davon überzeugt, dass, wenn ich dafür bereit bin (also weibliches passives Prinzip) mir etwas gegeben werden kann. Und dazu stehe ich in Kontakt mit Gott und ich BIN sehr wohl eine Idee von Gott, diese Idee ist wie ein Prinzip – und Gott hat mir den freien Willen gegeben, wie und wann ich dieses meine Prinzip leben möchte! Das heißt, es ist beides: Gottes und mein Wille. Er liefert die Idee (mich) und ich mach das daraus, was ich WILL.
Und jetzt nochmal die Frage: Tue ich, was ICH will, wie ICH gedacht bin oder tue ich, was die Gesellschaft will und versuche dort eine Legitimation für mein Handeln zu finden?
Also ich denke, dass diese Gedankengut von Grund auf falsch verstanden wird. Ich verstehe jedenfalls „Gottes Plan“ einfach als mein Prinzip, das mich ausmacht – mich nicht bestimmt, sondern ausmacht. Das ist ein Unterschied.
Und es liegt nicht am blöden Schicksal, dass jemand einen Scheiß Job hat, sondern daran, dass wir in einem bestehendem System leben, das von irgendwelchen Menschen gedacht wurde und niemand gefragt wird, ob er da eigentlich mit machen will. Es gibt die und die Jobs – nimm einen davon oder stirb. Die Gesellschaft hat doch gar keinen Raum, keinen Platz für Menschen, die das tun, was sie tun wollen. Sie hat nur Platz für Menschen, die das tun, was SIE will. Und ich bin überzeugt, dass jeder Mensch seiner Berufung in einem anderen Lebenskontext folgen könnte. Bzw. hat man immer die Wahl, ob man mitmachen möchte oder beispielsweise Autarkie leben möchte.Es gibt so viele Varianten, die meiner Meinung nach auch realisierbar sind. Aber jetzt komme ich vom Thema ab und auch wieder nicht. Ich mache jetzt trotzdem Schluss und danke Athena für diesen inspirierenden Beitrag – er hat Vieles aus mir rausgeholt!
Und noch mein Lieblingszitat von John Lennon, damit jetzt auch noch der letzte die Augen verdreht 😉 :
„The more real you get, the more unreal the world gets.“

 

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  1. Hi, hi! 🙂

    Athenas Text hat mich tatsächlich auch ziemlich zum Nachdenken gebracht.

    Allerdings glaube ich es geht bei ihr nicht in erster Linie darum sich bis zum geht nicht mehr abzuarbeiten, sich kaputt zu machen. Ich denke es ging ihr viel eher darum was zu ändern, wenn einem die aktuelle Lebenssituation nicht passt, sie einem zu viel wird. (das habe ich zumidnest daraus gelesen ;)…) Zu erkennen, dass man diese Eigenmacht hat etwas zu verändern. Das eigene Leben sozusagen in die Hand zu nehmen und nicht darauf zu warten, dass es irgendein anderer (in diesem Beispiel Gott) für einen regeln wird. So habe ich es verstanden.

    Klar gibt es Grenzen, bei weitem nicht alles was man sich wünscht wirt mit ein wenig Arbeit in Erfüllung gehen, da stimme ich vollkommen mit dir überein. Aber ganz ehrlich, es nicht mal zu versuchen weil man glaubt das gehöre nicht zum göttlichen Plan, das wäre ganz einfach schade, da wir eben doch Menschen mit freiem Willen sind. Ja, wir werden beeinflusst, von den Mitmenschen, der Umwelt, der Natur…Schlussendlich aber kommt es nicht mal so sehr darauf an, was man wie und aus welchem Grund tut. Die Frage ist doch viel eher, kann ich mit den Konsequenzen meines Tuns leben? Wenn ja, gut! Wenn nein, dann sollte einem bewusst sein, dass es nicht nur den einen einzigen vorbestimmten Weg gibt.

    Schlussendlich könnten wir auch alle ganz falsch liegen und so etwas wie den Freien Willen gibt es gar nicht. Wer sagt und denn, dass wir nicht einfach hochentwickelte Roboter sind, die ihre genaue Aufgabe zu erledigen haben und eben nur den Glauben eingepflanzt bekommen haben, dass sie einen freien Willen hätten? Ok, das Beispiel ist gruselig….haha…aber wer weiss es denn schon so genau? 😉

    Schöne Gedanken von dir, Sofia! Ich überlege mir auch noch einen Artikel dazu zu schreiben… 🙂

    Liebe Grüsse
    Nicky

  2. Haha, ja – diese Diskussion 😉
    Ich kann aus eigener Erfahrung (da ich es gerade seit einigen Monaten – oder schon viel länger – erlebe und darauf hin mein Leben grundlegend verändert habe – nämlich meinen Job nach 11 Jahren hin geschmissen) beurteilen wo der Unterschied darin liegt sich für die Gesellschaft oder ein System abzurackern und wo es mit der Eigenverantwortlichkeit anfängt. Denn natürlich ist es ungesund und macht Dich kaputt, wenn Du tagein / tagaus einer Tätigkeit nachgehst, die Dich einfach nur ausbrennt und fertig macht. Als Beispiel bleibe ich jetzt einfach mal beim Thema Arbeit, worum es ja nicht wirklich nur als einziges geht.
    Dennoch sehe ich mich nicht als eine Idee von Gott (als existierendem und denkenden Wesen), sondern als ein Teil dieses Prinzips, das selbständig denkt, agiert und einzelne Inkarnationen ganz bewußt mit plant. Ich mag also prinzipiell nicht diese Aussage „Gott hat es für mich so vorher gesehen und daher wird ER es auch so richten, wenn ich mich entsprechend verhalte). Das hat was Unterwürfiges, Kleingeistiges an sich (nicht böse gemeint).
    Und natürlich ist das weibliche Prinzip GANZ wichtig, gerade in der heutigen Zeit, denn wir befinden uns selbstverständlich tatsächlich gerade in einem mächtigen Wandel. Annehmen, loslassen, geschehen lassen – auch darüber entscheiden wir im Endeffekt aktiv – nämlich ob wir das zulassen können und wollen, was geschieht 😉
    Da gibt es diesen schönen Spruch: „Gib mir den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann. Die Kraft hinzunehmen, was ich nicht ändern kann und die Weisheit, das Eine vom anderen zu unterscheiden“. Amen 🙂

  3. „Und jetzt nochmal die Frage: Tue ich, was ICH will, wie ICH gedacht bin oder tue ich, was die Gesellschaft will und versuche dort eine Legitimation für mein Handeln zu finden?“

    Ich würde sagen, Du tust beides! Nicht entweder / oder. Du versuchst immer unbewusst einen Kompromiss zu finden zwischen gesellschaftlichen Ansprüchen und deinen eigenen. Der Witz bei der Sache ist, dass man seine eigenen Ansprüche nicht aus dem Auge verliert, wenn es mal gerade überhaupt nicht geht, sie zu verwirklichen, weil die gesellschaftlichen Ansprüch stärker sind. Wir alle müssen immer gesellschaftliche Zugeständnisse machen, aber wir dürfen uns dabei nicht selbst verlieren. Deshalb ist Bewusstwerdung der eigenen Person und Ansprüche so wichtig.

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