Fortschritt…? Mmh, ich weiß ja nicht…

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Ich frage mich, ob die jüngsten Entwicklungen der letzten Jahre uns Menschen guttun. Mit deinem Handy kannst du, egal, wo du bist, mit jedem kommunizieren, du kannst potentiell immer angerufen werden, du kannst potentiell jeden aus deinem Adressbuch anrufen und du kannst ständig SMS empfangen und hin und herschicken.

Manchmal nervt mich das extrem. Kennst du das – du hast grad Klinsch mit einem Menschen oder willst einen Menschen nicht mehr in deinem Leben haben und dann ertönt der SMS-Ton deines Handys? Mich stresst es dann innerlich, weil ich mir die Frage stelle, ob das dieser Mensch ist und ich fürchte mich vor den Worten, die ich gleich lese. Und dann bekommt man so eine kleine Textmitteilung und die Seele ist total aufgewühlt und man kommt evtl.wieder in Gefühle rein, in die man nicht mehr rein wollte und das kann alles durch so einen getippten Gedanken eines Mitmenschen passieren. Meistens habe ich das Handy auch immer dabei. Manchmal schaffe ich es, ohne Handy das Haus zu verlassen.

Das Handy hält den Menschen heutzutage davon ab, den Moment zu genießen-sein JETZT zu betrachten. Wie oft sieht man Leute mit dem Handy rumfuchteln und neben ihnen gibt es was Wundervolles und sie merken es gar nicht? Es interessiert sie einfach nicht mehr. Die Welt in dem Ding, im Fernseher, im Internet ist wichtiger geworden als die reale, natürliche Welt, die sie umgibt. Und wenn sie ihr Hier und Jetzt wahrnehmen, kann dieser Moment potentiell durch ein Handyklingeln zerstört werden.

Aber im Grunde genommen möchte ich weg davon. Ich möchte mehr weg von Handy, Internet und Fernsehen und mehr hin zu MIR und MEINEM LEBEN. Denn wenn wir ehrlich sind, schauen doch die meisten Menschen abends auf der Couch anderen Menschen zu, wie sie leben. Es fiel mir früher auch sehr schwer, abends den Fernseher nicht anzumachen, weil ich auch nicht wusste, was ich sonst machen soll. Abends fernsehen war schon normal und gehörte dazu. Aber das ist so eine Lethargie geworden, man guckt ja nichts mehr Spannendes, sondern „irgendwas halt“. Und das ist ja nicht der Sinn von dem Ding. Andere machen mir auf dem Bildschrim was vor und ich folge ihnen starr. Ich bewege mich nicht, liege vielleicht noch auf einer rückenschädigenden Couch und gebe mein Leben ab. Ich schaue anderen beim leben zu und lebe selbst nicht mehr.

Da läuft doch irgendwas falsch, oder? Ich verstehe halt nicht, warum der Mensch denkt, er müsste immer weiterkommen, immer besser werden, immer schneller. Und das jeden Monat. Jeden Monat kommt ein neues Modell raus – immer wieder „soll“ das Handy gewechselt und durch eine aufgepimpte Version ersetzt werden. Mit PCs. Laptops etc genauso… Warum nicht auch einfach mal stehen bleiben und erstmal genießen, was man da hat? Ich renne bei einer Wanderung doch auch nicht wie eine Bekloppte durch den Wald versuche den Weg so schnell wir möglich zu machen. Ich versuche auch nicht, das Meer blauer und den Sonnenuntergang schöner zu machen.

Wo ist die Spontaneität, wo die Lebensfreude? Warum kann man sich kaum noch verabreden, ohne vorher noch einmal SMS-Wechsel über evtl. Verspätungen oder Orts- und Terminvereinbarungen zu haben? Wie ging das früher überhaupt? Da hat man das Leben vielleicht in Kauf genommen, in Kauf genommen, dass Leute sich verspäten, in Kauf genommen, dass Leute nicht erscheinen und schließlich, sich einfach mit jemandem zu treffen ohne es vorher doppelt und dreifach dingfest zu machen. Das Risiko eingehen. Durch das ständige SMS-Schreiben und Telefonieren wird heutzutage jedoch alles kontrolliert. Es gibt keine Zufälle mehr, nicht mehr so viele spontane Gefühle – man schreibt eine kurze SMS, dass man noch Nachtisch mitbringt und vermaselt dadurch eine schöne Überraschung.

Aber was rede ich da, ich bin ja selbst drin in der Maschinerie. Ich weiß auch nicht, ob ich eventuell zu streng bin, als Skorpion neige ich ja sehr zu Extremen und habe Schwierigkeiten, ein Mittelmaß zu finden. Es sind ja auch nicht die Erfindungen an sich das Problem, sondern wie immer der Umgang damit. Ich finde es nur so schade, dass die Menschen sich immer weiter von ihrer und der sie umgebenden Natur entfernen. Vom Leben entfernen, von dem entfernen, was sie behütet und ernährt.

Für die Zukunft nehme ich mir also vor:

1. Noch weniger fernsehen und die Zeit für mich selbst, für Spirituelles nutzen.

2. Das Handy auch einfach mal zuhause lassen und im Laufe des nächsten Jahres seine Verwendung so zu reduzieren, dass ich es gar nicht mehr brauche und den Vertrag kündigen kann. Das ist Geldersparnis und Lebensqualitätzuwachs!

Ich freue mich auf den Tag.

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  1. Oh mann, du sprichst mir da echt aus der Seele, Hexesofia!

    Ich befinde mich gerade soeben in der Situation sogar für eine kurze Kaffeepause eine offizielle Einladung erhalten zu haben….anstatt einfach mal beim Kollegen vorbeigehen. Wenn man sich’s recht überlegt machen wir uns schon zu Sklaven all dieser Dinge und doch muss man sagen, natürlich haben sie auch ihre guten und positiven Seiten.

    Aber du hast recht, alles sollte einfach in bestimmten Mass verwendet werden. Wenn ich im Zug sitze und zur Arbeit fahre, sehe ich so viele Menschen, die nicht mehr mitkriegen was um sie herum geschieht, weil sie einfach ihre Augen nicht vom Handy lassen können. Eigenltlich schade, vor allem bei der Strecke, wo wir doch an so vielen schönen Orten vorbeifahren 🙂 ….aber gut…

    Der Ausgleich macht’s! 😉

    Einen guten Start in die Woche wünsche ich dir!

    Liebe Grüsse
    Nicky

    • Hey Nicky,
      schön zu hören, dass andere auch so empfinden 😉
      Ich hatte auch mal eine Freundin, der hatte ich eine sms geschickt, dass wir uns am Franz-Stock Platz treffen (der ist in unserm kleinen Paderborn echt nicht groß) und dann kam die Frage: „WO am Franz-Stock Platz?“ Die gleiche Freundin wollte auch mit dem Auto zum Supermarkt fahren, der zu fuß eine Minute (vielleicht nichmal) entfernt lag. Es war unglaublich. Sie hatte auch immer den neusten Kram vom Markt… Ich verurteile sie nicht, ich sehe es nur als Konsequenz der heutigen Mentalität.
      Es ist anscheinend so wenig Spontaneität vorhanden, dass man selbst ausmachen muss, an welcher Ecke eines Platzes man sich trifft. Ich habe ihr dann geantwortet, dass wir unseren Augen vertrauen sollten und uns sicherlich sehen würden…
      Aber du hast recht – es ist völlig normal geworden, dass wegen jeder Kleinigkeit die Spontaneität, das Persönliche und Individuelle zugunsten einer (manchmal sogar kollektiven) SMS aufgegeben wird.
      Also ich habe grad gaaaanz viel Lust, in den Wald zu ziehen und die Tür zu zumachen – wegen der Mentalität der Gesellschaft -. ich meine nicht Menschen, die mir nahe stehen. Es nervt mich einfach, dass irgendeiner in der Wirtschaft etwas entscheidet und dass dann alle einfach mitmachen, ohne es zu hinterfragen. Ich denke, wir sind noch gar nicht soweit. Wir werden irgendwann bemerken, dass der Fortschritt uns überfordert… aber dann sitze ich hoffentlich schon in meinem Hexenhäuschen und bin glücklich 😉
      Ach ja, herzlichen Glückwunsch zu deiner neuen Seite – ich find sie klasse! Habe aber vergeblich den „Follow-Button“ gesucht – liegt das daran, dass das evtl. gar kein Blog ist sondern eine Homepage?

  2. Da ich ein sehr durchgeplanter Typ bin (Steinbock halt 😉 ) bin ich ja froh über solche Organisationshelfer. Ich denke auch, wie Du selber schon sagtest, es kommt einfach darauf an wie der Einzelne mit den DIngen für sich entscheidet zu verfahren. Ein gesundes Mittelmaß ist immer das Beste. Und ich könnte nie auf mein Handy verzichten, nicht freiwillig 😉

    • Hi Athena,
      ja, wie gesagt, vielleicht bin ich auch zu streng damit… Ich muss nochmal über die ganze Sache nachdenken, so wie über viele Sachen… 😉 Für mich einen geeigneten Weg finden, damit umzugehen.

  3. Hallo Hexesofia, das ist ja echt lustig, dass du darüber schreibst, denn ich habe gestern noch darüber nachgedacht, ob ich meinen Handyvertrag einfach kündige und es mal ohne Handy ausprobiere. Während meiner Reise in Myanmar habe ich gemerkt, wie gut das meiner Seele tat, kein Handy und Internet zu haben. Herrlich stressfrei und ohne Druck. Mal schauen, ob ich es tatsächlich durchziehe…

    • Ja, das Problem ist, dass ich natürlich immer die Vertragslaufzeit nie parat hab und es deshalb meist verpasse, ihn zu kündigen… aber dieses Jahr muss ich es mal in Angriff nehmen 😉

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